Onko-kids-online

Ein Projekt für krebskranke Kinder und Jugendliche

Vernetzung mit der Schule
 

Wenn ein Schüler krank wird und für eine längere Therapie ins Krankenhaus geht, erhält er Unterricht durch die Schule für Kranke und auf Antrag Hausunterricht.
Trotzdem lässt sich in der Regel auch durch eine gute Kooperation zwischen Heimatschule und Klinklehrer nicht vermeiden, dass durch den langen Krankenhausaufenthalt Lernstoff  versäumt wird. Evtl. muss ein Schuljahr  auch wiederholt werden.
Kontakte zu Mitschülern und Lehrern können durch Berührungsängste und mangelnde Aufklärung seltener werden, manchmal ganz abreißen. Dies erschwert vor allem auch die Wiedereingliederung in Schule und Klassenverband nach der Erkrankung und kann zu vielfältigen psychosozialen Problemen führen.
Mit Hilfe des Internet wollen wir die Kommunikation von Schüler und Klasse gezielt fördern, indem wir den Kontakt erhalten. Die Möglichkeiten des Mediums  Internet  wie E-Mail  und Einsatz von Videokonferenzen mittels Webcam kann dabei nur Teil eines umfassenden Gesamtkonzepts zwischen Klinkschule und Heimatschule sein. 
Der Einsatz des Internet empfiehlt sich vor allem als Möglichkeit,  sozialen Kontakt - vor allem auch visuell - mit  Mitschülern und Lehrern zu erhalten.
Eine komplette Übertragung des Unterrichts ist nicht geplant. Der körperliche Zustand des Patienten und die zahlreichen medizinischen Termine auf Station lassen dies auch in der Regel nicht zu.
Im Vordergrund steht die aktive Kommunikation zwischen den Beteiligten, ganz auf die persönlichen Bedürfnisse und Möglichkeiten des Kindes  oder Jugendlichen abgestimmt. 
Außerhalb der Videokonferenzen bietet sich die elektronische Post als  Mittler  zwischen Schüler und Klasse an. Soziale Kontakte können so zeitgemäß und altersgemäß aufrechterhalten werden. E-Mail ist anonymer und damit auch angstfreier als die unmittelbare persönliche Kommunikation möglich. So wird ein Mitschüler eher eine E-Mail schicken als einen Telefonanruf in die Klinik zu wagen, mit dem Risiko, dass es dem Freund gerade schlecht geht oder einfach mal die Worte fehlen. Die E-Mail kann der Kranke aufrufen, wenn es ihm gut geht, er kann antworten, wann es ihm passt. Mit jeder Mail im Postfach sieht der Kranke, er gehört weiterhin dazu.
Die Integration des E-Mail-Kontaktes in die Schulstunde mit Hilfe der Lehrer kann zudem den Informationsfluss über den Unterrichtsstoff und sonstige Ereignisse in der Schule aufrechterhalten. 
Der Einsatz von Webcam und des E-Mail-Kontakt gibt auch dem Lehrer und der Klasse eine Möglichkeit unbefangener mit der Erkrankung des Mitschülers umzugehen.
Regelmäßige Berichte aus der Klinik, Videomails  und kleine Videofilme vom Alltag im Krankenhaus helfen zu verstehen und Vorbehalte abzubauen.
Alex, 15 Jahre, ist der erste Schüler mit dem wir unser Konzept verwirklichen können. Alex' Mitschüler und Lehrer sind begeistert dabei. 

 

 

 

Die erste Videokonferenz mit Alex und seiner Klasse 


In unserem ersten offiziellen Versuch hatten wir die Gelegenheit in der Schulklasse von Alex, einem 15- jährigen Schüler mit Knochenkrebs, dabei zu sein.

Der Klassenlehrer von Alex hatte unseren Laptop mit einem langen Kabel am nächsten Internetanschluss verbunden und einen Beamer angeschlossen, der das Bild des Laptop auf die Tafel projizierte. Ein Schüler , Moritz, baute die erste verabredete Konferenz auf. Die Schulklasse hatte mit Spannung unser Kommen erwartet. Die Videokonferenz sollte endlich losgehen.

 Innerhalb von zwei Minuten war die Verbindung zu Alex hergestellt, der sich gerade in einer Therapiepause zuhause befindet. Das Bild von Alex baute sich auf dem Laptop und für alle gut sichtbar projiziert auf der Wandtafel auf. Mit großem Hallo begrüßten die Schüler ihren Klassenkameraden, den sie seit 6 Monaten nicht mehr gesehen hatten. Mehrere Minuten vergingen mit der Optimierung des Kontaktes. Diese technischen Verrichtungen - Kamera richtig drehen, Lautstärke einstellen - , ließen Berührungsängste gar nicht erst aufkommen.

 "Hallo, wie geht’s !" "Was machst du, wo bist du gerade?!" Was habt ihr in der nächsten Stunde?"  Im Nu war eine Schulstunde verflogen, alle Mitschüler hatten sich inzwischen rund um den Laptop platziert, es wurde gescherzt, ein Lied für Alex gesungen. Alex verlangte unbedingt die Übertragung der nächsten Turnstunde. Die Schüler drängten den Lehrer, auch die nächste Stunde mit Alex in Verbindung zu bleiben und verlangten nach der Möglichkeit, auch mal ohne Lehrer einen Videokontakt zu versuchen.

Die Übertragung wurde mit der dringenden Frage aller Beteiligten: „Wann sehen wir uns wieder?" abgeschlossen. Alle waren begeistert und wollen unbedingt so bald wie möglich weitermachen. Die nächste Stunde ist bereits verabredet; Alex ist beauftragt, einen kleinen Film über sein Klinikleben zu drehen und per Videomail zu schicken. Der Lehrer möchte das Thema Krebserkrankung gezielt im Unterricht behandeln.

Der Klassenlehrer von Alex ist inzwischen von der Technik so überzeugt, dass er den Einsatz standardmäßig auch bei anderen kranken Kindern plant, um den Kontakt aufrechtzuerhalten.

Bereits diese erste Videokonferenz hat gezeigt, dass alle Beteiligten in hohem Maße profitieren können. Ein rundum gelungener Versuch.

 

Einsatz heute

Seit 2008 benutzen wir für Videokontakte das kostenfreie Programm 'SKYPE', welches sich besonders einfach konfigurieren lässt  und auch bei abgesichertem Schulnetz die Kontaktaufnahme erleichert.

Bewährt hat sich z.B. die Benutzung eines eigenen Laptops auf Schulseite. Dieser Laptop steht immer auf eEpfang. Wenn es dem Kind innerhalb der medizinischen Behandlung möglich ist, ruft es auf diesem Laptop mittels Skype an. In der klasse kann der anruf dann per Klick angenommen werden und ein Videokontakt istr möglich.

2008 hatten wir einen sehr gelungenen regelmäßigen Kontakt zwischen einem Kind und seiner dritten Schulklasse. Die Lehrerin bezog das erkrankte Kind mit in den Unterricht ein. auch während der Pausen kam es so zu regem Austausch zwischen den Schulern.

Die einfache Technik lässt sich ortsunabhängig einsetzen, so dass das Kind von zuhause, aus dem Krankenhaus, aus dem Therapiezentrum etc. immer die gleiche Technik anwenden kann.