Onko-kids-online

Ein Projekt für krebskranke Kinder und Jugendliche

Meine kleine Freundin Julia

 

     
Meine Name ist Leah und ich bin 15 Jahre alt. Ich möchte euch gerne von meiner kleinen Freundin Julia erzählen:
Letztes Jahr bekam ich im April folgende Mail:
„Hallo Leah, ich heiße Julia und bin 4 Jahre alt. Meine Mama schreibt für mich, weil ich noch nicht schreiben kann. Ich surfe aber schon im Internet und habe mit Mama zusammen deine Nachricht auf der Kinderkrebshilfe Homepage gefunden. Ich hatte einen Wilmstumor, der am 26. März durch Operation entfernt wurde. Davor habe ich schon 4 Wochen Chemo bekommen und jetzt bekomme ich noch 27 Wochen Therapie. ?...?
Ich freue mich schon auf deine Antwort! Herzliche Grüße und alles Gute für dich von Julia“
Ich habe diese Mail total lieb gefunden und mich sehr darüber gefreut. Deshalb habe ich Julia auch gleich geantwortet. Ich schicke ihr zu meinen Mails meist noch eine Geschichte mit, damit ihr nicht so langweilig ist. Manchmal auch Spiele oder Bilder... Ich hätte nie gedacht, dass wir uns so gut und so lange verstehen würden, aber jetzt ist schon ein ganzes Jahr vergangen und wir schreiben uns immer noch regelmäßig. Julia kann jetzt schon selbst ihren Namen tippen und wenn ihre Mama ihr die Buchstaben zeigt, dann schreibt sie sogar schon ganze Mails alleine. Manchmal tippt sie auch einfach irgendwelche Buchstaben wild durcheinander, das sieht dann so aus:
„Hallo liebe lEah
mir geht es gut. Julia
jhsdfuzwerjsdhsuier kbhs jkefksfezhurnk wu
Leah Julia
Ksdfjiowers 4123sf47 sd shuheriu 2+2=4 ( ?Julia kann auch schon rechnen!)
DeEine Julia“
Über diese Mails freue ich mich dann immer ganz besonders!
Julia war die ganze Therapie über sehr tapfer. Trotz der Chemo hat sie nicht gejammert und war immer gut gelaunt. Es hat mich sehr beeindruckt, wie selbstverständlich sie mit ihrer Krankheit umgegangen ist. Hier Julias Kommentare zu ihrer Krankheit:
„Mir geht es ganz gut. Die Chemozwerge wirbeln in mir herum und machen alle Krebszellen in mir kaputt. Die haben es wirklich nicht leicht, müssen überall nach bösen Zellen suchen. Aber weißt du, mein Doktor W. hat immer genau die richtigen Chemozwerge für mich. Deshalb geht es mir trotz Chemo ganz gut.“
„Meine Haare habe ich jetzt bis auf ein paar Strähnchen alle verloren, aber das ist nicht schlimm und ich hoffe, dass ich später rote Haare bekomme, wie Mama.“
„Die Chemo war doof. Ich musste gestern Abend das erste Mal brechen und habe heute morgen erst wieder damit aufgehört. Jetzt bin ich schon wieder fröhlich. Habe gerade mein Dreirad geputzt. Nudeln habe ich auch schon gegessen. Oma ist da und hat etwas vorgelesen und mit mir gespielt. Am Liebsten bin ich einfach fröhlich.“
„Hast du dem Christkind schon einen Wunschzettel geschickt? Ich ja. Ich hab mir gewünscht, dass ich nie mehr Krebs habe, und nie mehr Chemozwerge brauche. Dann habe ich mir noch einen Puppenwagen gewünscht und einen Bademantel für meine Puppe und dann noch was zum Basteln und zum Dekorieren für mein Kinderzimmer.“

                                          

Am vierten November bekam Julchen ihre allerletzte Chemo und ihr Professor hat sie sehr gelobt. Julchen war nämlich eines der wenigen Kinder, die diese lange Chemo ohne große Probleme überstanden hat. Keine Isolierung, Blutwerte nie zu niedrig, keine Entzündungen, keine anderen Krankheiten, eben alles prima!
Leider wars das aber doch noch nicht ganz. Kurz vor Weihnachten bekam Julia wegen den von den Chemos geschwächten Abwehrkräften noch eine heftige Lungenentzündung und sie musste fast zwei Wochen im Krankenhaus liegen. Aber Julia ist stark und sie hat es geschafft rechtzeitig zu Weihnachten wieder nach Hause zukommen.
Vor ein paar Tagen war wieder eine große Nachuntersuchung und die zeigte, dass alles in Ordnung ist. Julia ist ihren Port los, sie kann wieder Hüpfen (ihr Nerven in den Beinen wurden durch die Chemo geschädigt), Julchen hat ihren 5. Geburtstag gefeiert, die Haare wachsen wieder und sie geht wieder ganz normal in den Kindergarten.
Julia hat es geschafft!

Liebes Julchen,
es ist wunderschön, dass es dich gibt! Ich bin stolz auf dich und hab dich ganz doll lieb! Deine Leah
Ps.:
Liebe Christiane, herzlichen Dank, dass Sie Julia meine ganzen Mails vorgelesen haben und mir immer für sie oder mit ihr zusammen geschrieben haben! Ohne sie wäre das alles gar nicht möglich gewesen und ich danke Ihnen von ganzem Herzen! Leah

                                                                              
           
Liebe Leah,
ich danke Dir für deine Zeit, die DU immer wieder geopfert hast, um für Julia da zu sein. Ich bin sehr dankbar für alle die Menschen, die Julia in der ganzen Zeit Freude und Liebe geschenkt haben, nur so war es möglich, ihr ihre Freude zu erhalten. Sie ist überhaupt ein so tapferes und freudiges Mädchen,nie war sie traurig oder mutlos, immer fröhlich und immer zum Lachen aufgelegt. Ich bin so dankbar für mein kleines Mädchen, ich bin so dankbar, daß ich sie ein zweites Mal geschenkt bekommen habe.
Die mütterliche Angst ist so übergroß, daß eigene Kind zu verlieren, es verschleiert einem das Gehirn, man kann an kaum etwas anderes denken, man hat einfach eine unglaubliche Angst. Mein Traum wurde fast zerstört, mein Kind, mir fast entflogen in die Wolken in den Himmel. Wie ein Schmetterling in die Freiheit.........
Sie hat ihre Freiheit gefunden, ihre Freiheit von der Krankheit, Julia hat es geschafft, Julia hatte Krebs und sie hat ihn besiegt. Sie ist so unglaublich stark!
Ich danke Dir für deine Zeit!
Alles Liebe und Gute für Dich liebe Leah, bleib so engagiert wie du bist und mache noch vielen anderen Kindern und Jugendlichen Mut mit deiner so liebenswürdigen Art. Sei stolz auf Dich.
Christiane und Julia